Schimmel an der Wand: überstreichen, entfernen oder sanieren?
Die Frage kommt bei uns fast wöchentlich, meistens im Herbst, wenn geheizt wird. Hier steht, woran Sie den Umfang erkennen, wann Sie selbst ran dürfen und wann nicht, und warum Farbe allein das Problem nie löst.
Kurz gesagt
Bis etwa 20 cm², also eine Handfläche, können Sie selbst reinigen. Zwischen 20 cm² und einem halben Quadratmeter sollte jemand mit Fachkenntnis draufschauen. Ab 0,5 m² gehört die Sanierung in Fachhände. In keinem dieser Fälle reicht Farbe: Schimmel ist nie die Ursache, sondern immer die Folge von Feuchtigkeit.
Wie groß ist der Befall? Die drei Stufen
Das Umweltbundesamt teilt Schimmelbefall in seinem Schimmelleitfaden in drei Kategorien ein. Die Fläche ist der erste Anhaltspunkt, entscheidend ist zusätzlich, wie tief der Befall ins Material gegangen ist.
| Kategorie | Fläche | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| 1 — geringer Befall | unter 20 cm² | Oberfläche reinigen, Ursache beobachten. Haushaltsübliche Mittel genügen. |
| 2 — gering bis mittel | 20 cm² bis 0,5 m² | Fachliche Einschätzung, meist Sanierung des betroffenen Bereichs. |
| 3 — größerer Befall | über 0,5 m² | Sanierung durch Fachleute, mit Abschottung und Schutzmaßnahmen. |
Sichtbarer Schimmel ist oft nur der Rand. Sitzt er hinter Tapete, unter Laminat oder in der Dämmung einer Vorwand, ist die tatsächlich befallene Fläche regelmäßig ein Vielfaches der sichtbaren.
Warum Überstreichen nicht funktioniert
Schimmel braucht kein flüssiges Wasser. Es genügt, wenn die relative Luftfeuchte direkt an der Wandoberfläche dauerhaft über etwa 80 Prozent liegt. Deshalb entsteht Schimmel auch an Wänden, die sich trocken anfühlen.
Eine Farbschicht ändert daran nichts. Sie verdeckt den Befall für ein paar Monate, das Myzel im Untergrund wächst weiter. Wer stattdessen zu einer dampfdichten Beschichtung greift, verschiebt die Feuchtigkeit meist nur hinter die Schicht, und der Putz nimmt Schaden.
Wo die Feuchtigkeit herkommt
Vier Ursachen decken fast alle Fälle ab, die wir in Berliner Wohnungen sehen. Jede verlangt eine andere Maßnahme.
- Wärmebrücke
Stellen, an denen die Wand innen kälter ist als ringsum: Außenecken, Fensterlaibungen, Deckenanschlüsse, Flächen hinter Einbauschränken. Nach DIN 4108-2 muss der Temperaturfaktor fRsi an jeder Stelle mindestens 0,70 betragen. Unter Normbedingungen, also 20 °C Raumluft, 50 Prozent Luftfeuchte und −5 °C außen, entspricht das einer Oberflächentemperatur von mindestens 12,6 °C. Darunter steigt die Feuchte an der Oberfläche über 80 Prozent.
- Neue Fenster im Altbau
Der häufigste Fall in Gründerzeitwohnungen. Alte Kastenfenster waren undicht, die Wohnung tauschte ständig Luft aus. Nach dem Fenstertausch bleibt die Feuchtigkeit im Raum, die Außenwände sind unverändert kalt. Der Befall zeigt sich dann im ersten Winter nach der Sanierung, meist in Außenecken hinter Möbeln.
- Wasserschaden
Rohrbruch, undichte Anschlüsse, aufsteigende Feuchte im Keller, Schäden am Dach. Vor jeder Oberflächenbehandlung muss die Quelle abgestellt und der Aufbau technisch getrocknet sein.
- Baufeuchte
Nach Neuputz, Estrich oder Kernsanierung steckt viel Wasser im Gebäude. In den ersten Monaten ist deutlich stärker zu lüften als im Normalbetrieb.
Mietwohnung: wer haftet
Der Bundesgerichtshof hat am 5. Dezember 2018 in zwei Verfahren entschieden (VIII ZR 271/17 und VIII ZR 67/18): Wärmebrücken in Außenwänden sind kein Mangel der Mietsache, wenn das Gebäude den zur Bauzeit geltenden technischen Normen entsprach. In den entschiedenen Fällen ging es um Häuser aus den Jahren 1968 und 1971. Maßstab ist der Bauzustand bei Errichtung, nicht der heutige Standard, solange im Mietvertrag nichts anderes vereinbart ist.
Zum Lüften hat der BGH die Einschätzung des Sachverständigen als zumutbar angesehen: zweimal täglich etwa 15 Minuten Stoßlüften oder dreimal täglich etwa 10 Minuten. Bei Querlüftung, also gegenüberliegenden offenen Fenstern, verkürzt sich die Zeit auf etwa ein Drittel.
Für die Praxis heißt das: Wer einen Befall meldet, sollte ihn dokumentieren, mit Datum, Foto und Angabe der Fläche. Diese Dokumentation erstellen wir auf Wunsch mit, auch für Versicherung oder Hausverwaltung.
Was eine fachgerechte Sanierung umfasst
Bei Kategorie 2 und 3 arbeiten wir in dieser Reihenfolge. Punkt 5 entscheidet darüber, ob der Befall wiederkommt.
- Befund
Fläche und Tiefe bestimmen, angrenzende Bauteile prüfen, Ursache suchen.
- Abschottung
Arbeitsbereich abtrennen, damit keine Sporen in die übrige Wohnung gelangen.
- Rückbau
Befallene Materialien reinigen oder entfernen: Tapete, Putz, Dämmung, je nach Tiefe.
- Trocknung
Technische Trocknung, wo Feuchtigkeit im Bauteil steckt. Das dauert, und es lässt sich nicht abkürzen.
- Ursache beseitigen
Bauliche Maßnahme gegen die Quelle, etwa an der Wärmebrücke oder am undichten Anschluss.
- Neuaufbau
Feinreinigung, Putz und Oberfläche wieder herstellen.
- Dokumentation
Für Eigentümer, Hausverwaltung oder Versicherung, mit Fotos und Maßangaben.
Was den Preis bestimmt
Nicht die Quadratmeter allein. Entscheidend sind: wie tief der Befall sitzt, ob Material zurückgebaut werden muss, ob getrocknet wird, wie zugänglich die Fläche ist und welche bauliche Maßnahme gegen die Ursache nötig ist.
Eine kleine Fläche an einer gut erreichbaren Innenwand ist an einem Tag erledigt. Ein durchfeuchteter Wandaufbau mit Trocknungslauf bindet zwei Wochen. Deshalb nennen wir einen Preis erst nach der Besichtigung, und die ist kostenlos.
Wenn der Befall nach dem Streichen an derselben Stelle wiederkommt, liegt die Ursache am Bauteil, nicht am Lüften.
Quellen
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden, Fassung 2024
- BGH, Urteile vom 5.12.2018, VIII ZR 271/17 und VIII ZR 67/18 (Wärmebrücken, Schimmelpilzgefahr, Lüftungsverhalten)
- DIN 4108-2: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden, Mindestanforderungen, Temperaturfaktor fRsi
Die Hinweise zur Rechtslage sind eine allgemeine Einordnung veröffentlichter Rechtsprechung und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Stand: 1. Oktober 2026. Wir aktualisieren den Beitrag, wenn sich Regelwerke ändern.
Häufige Fragen
Kann ich Schimmel mit Essig entfernen?
Bei kleinen Flächen auf glatten Oberflächen ist eine Reinigung möglich. Essig ist dafür ungeeignet, auf mineralischem Untergrund kann er sogar als Nährstoff wirken. Üblich ist hochprozentiger Alkohol. Wichtiger als das Mittel ist, dass die Feuchtigkeitsquelle abgestellt wird.
Reicht Anti-Schimmel-Farbe?
Sie kann einen Neubefall verzögern, beseitigt aber weder vorhandenes Myzel noch die Feuchtigkeit. Als alleinige Maßnahme ist sie nicht geeignet.
Wie erkenne ich Schimmel hinter der Tapete?
Typische Hinweise sind muffiger Geruch ohne sichtbaren Befall, Tapete, die sich an den Kanten löst, dunkle Schatten im Streiflicht und spürbar kalte Stellen an der Wand.
Muss ich die Wohnung während der Sanierung verlassen?
In der Regel nicht. Der Arbeitsbereich wird abgeschottet, die übrige Wohnung bleibt nutzbar. Bei großflächigem Befall in mehreren Räumen kann ein vorübergehender Auszug sinnvoll sein.
Zahlt die Versicherung die Schimmelsanierung?
Bei einem plötzlichen Wasserschaden in der Regel ja, bei Schimmel infolge von Wärmebrücken oder Lüftungsverhalten in der Regel nicht. Entscheidend ist die Dokumentation von Ursache und Umfang.
Wie lange dauert eine Schimmelsanierung?
Kleinere Flächen ein bis zwei Tage. Muss getrocknet werden, kommen meist sieben bis zehn Tage Trocknungslauf dazu, bevor der Neuaufbau beginnt.
Machen Sie Schimmelsanierung in ganz Berlin?
Ja, in ganz Berlin und im angrenzenden Brandenburg. Unser Sitz ist in Berlin-Zehlendorf, unser Lager in Berlin-Schöneberg.
